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Informatik
und Wissenschaft

Wissen schaffen!

Wissen schaffen! Und dies nicht in einem Elfenbeinturm, sondern interdisziplinär, transparent und nachvollziehbar, damit alle davon profitieren können. Um dies zu erreichen, setzen wir uns für eine vielfältige und unabhängige Forschung ein, die klaren demokratischen Linien folgt. Und dies mit einem ganzheitlichen Ansatz!

Wenn Informatik zur Alchemie wird

Vorstandsmitglied Prof. Dr. Friedrich Steimann sieht die GI in der Pflicht, sich in Debatten einzubringen, aufzuklären und auch mal öffentlich zu widersprechen. Im Interview spricht er über seine eigenen GI-Wurzeln, aktuelle Entwicklungen in der Informatikforschung und die Art, wie generative KI an seinem Bild der Informatik kratzt

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GI-Beiräte der Hochschulen

Die Gesellschaft für Informatik wird von Hochschulen durch zwei Beiräte unterstützt: Der GIBH ist der Beirat der Professor*innen an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften und berät die GI in Fragen von Forschung, Lehre und Hochschulpolitik. Der GIBU vertritt die Interessen der Forschung und der wissenschaftsorientierten Ausbildung an den Universitäten in der GI.

Mehr zum GIBH: gi.de/gibh
Mehr zum GIBU: gibu.gi.de

Research Software Engineering im Fokus

Drei neue Projekte der Gesellschaft für Informatik bündeln ihre Kräfte in der Arbeitsgruppe RSE. Unter der Leitung von Julian Dehne entsteht dabei ein starkes Fundament: vom Referenzcurriculum für künftige Expert*innen über die Entwicklung einer Institution für Forschungssoftware bis hin zur Auszeichnung exzellenter Projekte mit dem neuen RSE-Award. Ziel ist es, Forschungssoftware sichtbar, nachhaltig und zukunftsfähig zu machen.

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Green Coding in der Bildung

Wie nachhaltig Software ist, entscheidet sich nicht erst im Rechenzentrum, sondern bereits beim Programmieren. Das Projekt Green Coding Curriculum bringt energie- und ressourcenschonende Softwareentwicklung deshalb stärker in die Informatikausbildung. Dafür werden bestehende Ansätze gebündelt und zu praxisnahen Lehrmodulen weiterentwickelt, die sich flexibel in Studium, Ausbildung und Weiterbildung einsetzen lassen. Die GI setzt das vom Umweltbundesamt finanzierte Projekt gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Praxis von 2026 bis 2029 um.

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Eine Zeitkapsel für die Forschung

Forschungsdaten bleiben nur dann wertvoll, wenn sie auch Jahre später noch nachvollzogen und genutzt werden können. NFDIxCS arbeitet deshalb am Research Data Management Container (RDMC): einer digitalen Zeitkapsel, die Daten gemeinsam mit der zugehörigen Software, den Metadaten und der benötigten Ausführungsumgebung bündelt. So sollen Forschungsergebnisse langfristig reproduzierbar und nachnutzbar bleiben. 2026 wurde ein erster Prototyp von Forschenden und Fachleuten aus der Praxis erprobt und im Rahmen eines NFDI Talks der wissenschaftlichen Community vorgestellt.

Zum NFDI-Talk über Research Data Management Containers

 

Wenn Informatik zur Alchemie wird

Vorstandsmitglied Prof. Dr. Friedrich Steimann sieht die GI in der Pflicht, sich in Debatten einzubringen, aufzuklären und auch mal öffentlich zu widersprechen. Im Interview spricht er über seine eigenen GI-Wurzeln, aktuelle Entwicklungen in der Informatikforschung und die Art, wie generative KI an seinem Bild der Informatik kratzt.

Interview: Alexandra Resch

Wie bist du selbst zum GI-Mitglied geworden? Und wann?

Anfang 2000 hatte ich auf der Tagung des GI-Querschnittsfachausschusses Modellierung (QFAM) das Thema meiner Habilitation vorgestellt. Da ich zuvor nur in Journalen und zu anderen Themen publiziert hatte, kannte mich dort niemand. Ich bin aber so gut aufgenommen worden, dass ich der Tagungsreihe treu geblieben bin. Als ich dann 2008 einen Tagungsband mitherausgegeben habe, bin ich auch GI-Mitglied geworden — ich dachte, dass das sonst blöd aussähe. Dazu aufgefordert hatte mich aber niemand. Erst später habe ich verstanden, dass es damals noch eine Selbstverständlichkeit war, als Informatikprofessor auch GI-Mitglied zu sein.

Die GI hat ihre Wurzeln klar in der Wissenschaft. Hast du das Gefühl, dass sich unsere Rolle als Fachgesellschaft im Laufe der Jahre verändert hat?

Die GI ist bunter und auch politischer geworden. Trotzdem ist sie in den Augen vieler immer noch ein Professorenverein [sic]. Das zeigt eine Herausforderung der GI: Sie ist zum einen eine wissenschaftliche Fachgesellschaft und von daher mit den Hochschulen als hauptsächlichen Trägerinnen von Wissenschaft personell verbunden, zum anderen aber auch eine Fachgesellschaft, die an Informatik interessierte Menschen und Industrie zusammenbringt. Während jedoch die Themen der Informatik auch von anderen Organisationen besetzt werden, ist die Verwurzelung in der Informatik als Wissenschaft ein Alleinstellungsmerkmal der GI. Wir müssen allerdings daran arbeiten, dass dies auch von allen als Vorteil erlebt wird.

Welche Entwicklungen beobachtest du aktuell in der Informatikforschung?

Die große Disruption generative KI wirbelt natürlich auch in der Informatik die Forschung gewaltig durcheinander. Ich sehe hier drei hauptsächliche Entwicklungen: Zum einen erfährt die Forschung an generativer KI derzeit sehr viel Aufmerksamkeit, die damit an anderer Stelle fehlt. Hier hat die Informatik einen riesigen Vorteil gegenüber anderen Disziplinen, denn alle KI-Systeme sind Informatik-Systeme. Aber auch innerhalb der Informatik erzeugt die generative KI Verlierer. Das ist jedoch weniger der KI zuzuschreiben als einem Wissenschaftssystem, das den Regeln der Aufmerksamkeitsökonomie folgt. Zum anderen wird generative KI als Werkzeug zur Beschleunigung des wissenschaftlichen Arbeitens eingesetzt. Das läuft wie in anderen Wissenschaften auch: Vieles, was vorher eine Zeit und Kräfte zehrende intellektuelle Leistung war, wird nun einer Maschine überlassen. Da dies allerdings zunehmend nicht nur fürs Schreiben, sondern auch für die Konstruktion von Beweisen gilt, zwingt es uns, den Begriff der eigenen wissenschaftlichen Leistung neu zu definieren. Derzeit tun wir noch so, als müssten wir das nicht, und werden uns damit wohl auch noch eine Weile durchschummeln können, aber lang geht das nicht mehr so weiter.

Und drittens?

Mit der dritten Entwicklung gleichen wir uns  auf bemerkenswerte Weise anderen Disziplinen an: Wir betrachten generative KI als Phänomen, das wir mit empirischen Mitteln verstehen und nutzbar machen wollen, also mit Experimenten, Beobachtungen und Hypothesen. Das kratzt insofern an meinem Bild von der Informatik, als es eigentlich unsere vornehmste Aufgabe ist, Systeme so zu konstruieren, dass sie genau das tun, was wir wollen, und dabei technische Hürden zu überwinden. Bezüglich generativer KI verhalten wir uns aber so, als sei sie vom Himmel gefallen und wir müssten nun versuchen, sie durch allerlei Experimente zu verstehen und besser nutzbar zu machen. Das ist ein Paradigmenwechsel, zumindest für die Informatik. Mir persönlich gefällt das gar nicht, weil wir damit wie Alchemisten dastehen: Wir haben etwas erfunden, das die Welt radikal verändert, das wir aber selbst nicht hinreichend erklären können. Das kann sich auch gegen uns wenden.

Was ist für dich die wichtigste Aufgabe, vor der die GI heutzutage als „Stimme der Informatik“ steht?

Wir müssen aufklären und dabei auch öffentlich widersprechen. Ich habe das mal etwas plakativ als das notwendige Ende der Höflichkeit bezeichnet: Wir dürfen Menschen, denen dafür die formale Qualifikation fehlt, keine Deutungshoheit in den Fragen der Digitalisierung — dem Beitrag der Informatik zur gesellschaftlichen Entwicklung schlechthin — zugestehen. Informatik kann man genauso studieren wie Jura, Medizin oder Wirtschaft. Andere können viel von uns lernen — es fehlt ihnen jedoch zu oft noch die Einsicht, dass sie es auch müssen, wenn sie verantwortungsvolle Entscheidungen treffen wollen. Das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, an das wir ran müssen.

Was würdest du Menschen empfehlen, die ganz frisch Mitglied der GI geworden sind?

Erstens: Sofort in den Austausch zu gehen! Die GI ist die Summe ihrer Mitglieder und damit genau das, was ihre Mitglieder tun. Auf passende Angebote zu warten kann leicht zu Enttäuschung führen. Wer stattdessen direkt mit anpackt und ein aktiver Teil der GI wird, erfährt Selbstwirksamkeit pur. Das eröffnet sich zugleich neue Horizonte und Perspektiven. Und mein zweiter Tipp für alle, die sich das leisten können: eine Einzugsermächtigung für den Mitgliedsbeitrag zu erteilen. Sich Jahr für Jahr erneut damit auseinanderzusetzen, ob sich der finanzielle Einsatz (der keineswegs gering ist) lohnt, steht dem im Weg, was für mich heute das Wichtigste ist: sich mit der GI zu identifizieren und ein stolzes Mitglied zu sein!

Prof. Dr. Friedrich Steimann

ist Vizepräsident der GI und Inhaber des Lehrstuhls für Programmiersysteme an der Fernuniversität in Hagen. Er hat Informatik studiert (Universität Karlsruhe), wurde in Medizinischer Informatik promoviert (TU Wien) und hat sich zu Softwaremodellierung habilitiert (Universität Hannover). Er ist langjähriges Mitglied im Querschnittsfachausschuss Modellierung der GI (QFAM) und Gründungsmitglied im Präsidiumsarbeitskreis Digitale Souveränität. Seine Interessen sind breit gestreut.


Next Level Research Software Engineering

In den vergangenen Monaten hat das Team des GI-Projekts FutuRSI 19 Institutionen für Forschungsinfrastruktur aus Deutschland, Europa und Nordamerika genauer untersucht: ihre Entstehungsgeschichte, Governance-Modelle, Finanzierungsquellen, Stärken sowie mögliche blinde Flecken und Chancen. Die Institutionen unterscheiden sich stark voneinander: Einige bestehen bereits seit Jahrzehnten, andere stehen noch in den Anfängen und müssen sich erst etablieren. Einige sind dauerhaft finanziert, während andere von einer Projektphase zur nächsten wechseln. In einer sechsteiligen Reihe stellt das Team jene Erkenntnisse ihrer Analyse vor, die für die Gründung einer deutschen Forschungssoftware-Institution besonders relevant sind.

Text: Florian Mannseicher

In einzelnen Blogbeiträgen hat das Team seine Learnings ausführlich erläutert. Hier die sechs wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick:

Governance

Geteilte Verantwortung ist ein sinnvolles Architekturprinzip, das in unserer Analyse immer wieder als tragendes Element in den erfolgreichsten Institutionen auftaucht. Eine effektive und effiziente Organisationsstruktur beruht auf einer sorgfältig abgestimmten Machtverteilung, bei der jene Aspekte zentralisiert werden, die eine zentrale Regelung erfordern, sowie eine Delegation der Aufgaben, die am besten durch dezentrale Einheiten gelöst werden.

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Förderstrategie

Eine nachhaltige Finanzierung entsteht nicht aus einer einzelnen Quelle, sondern aus einem Portfolio. Die widerstandsfähigsten Institutionen streuen ihre Einnahmen auf mehrere Säulen und nutzen Anschubphasen, Strukturen, Dienstleistungen und Beziehungen aufzubauen, die die langfristige Nachhaltigkeit sichern.

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Community Engagement und Outreach

Communitys, die lediglich über neue Entwicklungen in Kenntnis gesetzt werden, werden zu Adressaten. Communitys, denen eine aktive Mitgestaltung möglich ist, fungieren dagegen als Träger. Die Etablierung einer Institution, die über Förderphasen hinaus Bestand haben soll, erfordert Investitionen in das Community-Engagement in einem Umfang, der mit Investitionen in Technologie vergleichbar ist. Dabei handelt es sich nicht nur um eine unterstützende Funktion, sondern um einen zentralen operativen Bestandteil der Nachhaltigkeit.

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Karrierepfade und Anerkennung

Die Entwicklung von Forschungssoftware setzt voraus, dass die Menschen, die sie entwickeln, angemessen anerkannt werden. Ein nationaler Karriere-Rahmen mit klar definierten Stufen und marktüblichen Gehältern sowie der formellen Anerkennung als wissenschaftliche Arbeit sind notwendige Voraussetzungen dafür, dass Forschungssoftware in Deutschland eine nachhaltige Zukunft hat. Es sind die Menschen, die Forschungssoftware-Exzellenz ermöglichen, und sie verdienen die gebührende Anerkennung.

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Infrastruktur und Nachhaltigkeit

Gemeinsam genutzte Infrastruktur stellt keinen Kostenkompromiss, sondern einen Wirkungsmultiplikator dar. Eine deutsche Forschungssoftware-Institution sollte modular aufgebaut sein, mit anderen Initiativen vernetzt sein und so konzipiert sein, dass ein klarer Weg für die Wartung grundlegender Softwarepakete auch lange nach Abschluss der ursprünglichen Entwicklung gewährleistet ist.

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Internationale Zusammenarbeit

Eine deutsche Forschungssoftware-Institution kann ihr volles Potenzial nur dann ausschöpfen, wenn sie von Grund auf international ausgerichtet ist. Die Mitwirkung an der Entwicklung von Standards, die Teilnahme an globalen Allianzen, der Aufbau strategischer Partnerschaften und die Verankerung internationaler Zusammenarbeit sollten Teil ihrer grundlegenden Struktur sein. Die internationale Zusammenarbeit ist der Schlüssel zu einem raschen Wandel für alle Beteiligten.

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Neugierig?

Weitere Informationen zur Initiative FutuRSI gibt es auf der Website:

www.futursi.de