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Informatik
und Politik

Informatik wirkt!

Informatische Fachexpertise in politische Entscheidungsebenen zu tragen, ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit. Dazu gehört, politische Maßnahmen auf Grundlage fundierten Wissens einzuschätzen und das Ausmaß technischer Entwicklungen erklären zu können. Wir setzen uns fortwährend für transparente und tragfähige Rahmenbedingungen der digitalen Welt ein, die für alle nachvollziehbar sind.

Eine Frage der Verantwortung

Matthias Marx ist Junior-Fellow der GI und seit Jahren in der IT-Sicherheit unterwegs. Im Interview spricht er über seine Perspektive auf die Debatte um den Hackerparagraph, über die gefährliche Macht von Gesetzen, die ohne informatische Expertise geschrieben werden, und über die Unterschiede zwischen GI und Chaos Computer Club.

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Cybersicherheit braucht einen Rundumschlag

Die Causa Hugging Face, Cyberangriffe auf ein britisches Kraftwerk und das Berliner Landesnetz: Der Trend ist eindeutig. Cyberangriffe, staatlich gesteuert oder kriminell motiviert, nehmen zu und KI verschärft die Lage. Mit Blick auf die aktuelle Lage rückt das Politikteam der GI in den Fokus, was aus Sicht der Fachgesellschaft jetzt gebraucht wird.

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Wir beziehen Stellung

Anlässlich des geplanten Einsatzes von künstlicher Intelligenz im Hochrisiko-Bereich bei asyl- und aufenthaltsrechtlichen Verfahren äußerte die GI signifikante Bedenken bezüglich der technischen Machbarkeit, der Vereinbarkeit mit dem Datenschutz und der Gewährleistung rechtsstaatlicher Kontrollmechanismen.

Zur Stellungnahme

In Open-Source-Ökosystemen arbeiten sogenannte Open-Source-Stewards an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft. Damit kommt ihnen eine besondere Verantwortung zu. Die GI fordert in einem neuen Policy Brief, diese bedeutende Rolle entsprechend zu fördern.

Zum Policy Brief

Anlässlich der Verbändebeteiligung zum Referentenentwurf hat die GI eine Stellungnahme zu dem Thema Schutz vor digitale Gewalt eingereicht. Die GI begrüßt das Ziel des Entwurfs und setzt sich unter anderem für bessere Präventionsmaßnahmen sowie eine stärkere Verantwortung von Plattformen ein.

Zur Pressemitteilung

Das Common Grounds Forum in Berlin

Das Common Grounds Forum ver­schafft jungen Stimmen Gehör: in der Digitalpolitik und darüber hinaus. Bei einer Delegationsreise im Frühling gingen 25 junge Menschen in den Austausch über Positionen, ­Forderungen und ganz konkrete Tipps für die Lobbyarbeit. Zwei von ihnen haben ­erarbeitet, was junge Interessen­vertretung im politischen Berlin über Digitalpolitik lernen kann. Einen umfangreichen Bericht gibts in unserem Magazin .inf.

Zum Artikel

 

DiD you know? Die Webinar-Reihe zum Digital Independence Day

An jedem ersten Sonntag des Monats ist der Digital Independence Day. Die Initiative ruft zu einem Wechsel auf: weg von Big Tech-Plattformen, hin zu Open-Source-Alternativen. Ziel ist es, digitale Räume zu erhalten und vor unkontrolliertem Einfluss zu schützen sowie digitale Selbstbestimmung zu fördern. Die GI begleitet diesen Tag mit der „DiD you know“-Reihe, in der unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt und Hintergründe zum Thema aus der Informatik-Community vorgestellt und diskutiert werden. Während es in der ersten Staffel um Erklärungen ging, warum sich ein Wechsel in der eigenen IT lohnt, geht es in der zweiten Staffel eine Ebene höher: Wie können sich Organisationen umstellen? Welche Anforderungen bringt ein Wechsel mit, wenn nicht nur ein PC, sondern gleich mehrere Arbeitsplätze und die Arbeitsfähigkeit einer ganzen Organisation bedacht werden müssen?

Alle Infos zu den kommenden Sessions

 

Eine Frage der Verantwortung

Matthias Marx ist Junior-Fellow der GI und seit Jahren in der IT-Sicherheit unterwegs. Im Interview spricht er über seine Perspektive auf die Debatte um den Hackerparagraph, über die gefährliche Macht von Gesetzen, die ohne informatische Expertise geschrieben werden, und über die Unterschiede zwischen GI und Chaos Computer Club.

Interview: Alexandra Resch

Du bist sowohl in der GI als auch im Chaos Computer Club aktiv. Wo siehst du die Unterschiede zwischen CCC und GI?

Ich finde es sehr spannend, beide Welten zu sehen. Die GI ist sehr organisiert, in Fachgruppen, Arbeitskreisen und so weiter. Im CCC dagegen gibt es eben das Chaos. Dinge passieren, weil Menschen sie vorantreiben. Das ist natürlich auch bei der GI so – das GI-Radar von Dominik Herrmann und Cornelia Winter ist für mich dafür ein super Beispiel – aber es läuft alles viel strukturierter ab. Das führt dazu, dass die GI eher als seriöser Verein auftritt, während der CCC in seiner Kritik viel härter und manchmal auch flapsiger sein kann. Trotzdem gibt es viele Überschneidungen, dafür ist der Hackerparagraph das beste Beispiel. Das Thema wäre eigentlich näher am CCC, aber die GI hat das sehr gut und stark gespielt.

Wie stehst du selbst zum Thema Hackerparagraph?

Es ist überfällig, den nochmal anzugehen. Andere Länder sind da schon viel weiter. Der Hackerparagraph und die weiteren Gesetzestexte, die von der GI kritisiert werden, – eigentlich sind es ja mehrere – tragen dazu bei, dass bestimmte IT-Sicherheitsforschung in Deutschland nicht oder nur eingeschränkt stattfindet. Manche trauen sich zwar noch, IT-Sicherheitsforschung zu betreiben, behalten dann aber die gefundenen Dinge für sich, weil es ihnen zu heiß wird. Damit ist niemandem geholfen. Dazu kommt eine große Unsicherheit, was Richter*innen zum Beispiel als Hacker-Tools auslegen: Ist damit nur echtes, knallhartes Hacking gemeint, bei dem klar Sicherheitslücken gesucht und böswillig ausgenutzt werden? Oder reicht es, die Web-Developer-Toolbar von Firefox zu öffnen?

Braucht es mehr Menschen mit Informatik-Expertise, die an der Gesetzgebung mitwirken?

Ich sehe eher das Problem, dass Menschen, die sich auskennen, sich schon zu Genüge zu Gesetzesentwürfen äußern, die Politik aber viele sehr gute Empfehlungen ignoriert. Das führt zu Gesetzen, die dann vom Verfassungsgericht kassiert werden oder die aus technischer Sicht völlig undefiniert und dadurch sehr mächtig sind. Letzteres wird zur Gefahr für Grundrechte.

Hast du dafür ein Beispiel?

In verschiedenen Bundesländern gibt es bereits Gesetze, die KI in der Polizeiarbeit ermöglichen – und ganz nebenbei alle möglichen Datenbanken zusammenführen, die zuvor getrennt waren. So entsteht eine Blackbox, die nicht mehr das Land, sondern ein privater Anbieter kontrolliert. Da werden Daten unverdächtiger Personen einbezogen und Muster gefunden, die die zuständigen Personen gar nicht mehr nachvollziehen können. Dazu gab es viele Kommentare aus der Zivilgesellschaft, aber es wirkt, als würden diese zugunsten den Forderungen von Polizei und Gewerkschaft nicht ausreichend gehört werden.

Und wenn so eine Tür erstmal geöffnet wurde, ist es vermutlich schwierig sie wieder zu schließen.

Absolut. Selbst wenn ein Gesetz verfassungswidrig ist, kann das entsprechende Verfahren einige Jahre dauern. Das haben wir ja mehrfach bei der Vorratsdatenspeicherung gesehen. Und trotz allem gibt es einen neuen Anlauf, sie wiederzubeleben, nur damit sie dann wahrscheinlich drei Jahre später wieder vom Verfassungsgericht kassiert wird.

Scheint, als ob man viel Durchhaltevermögen braucht in der Digitalpolitik.

Auf jeden Fall. Vieles kommt immer wieder, gerade gibt es aber auch einige Bemühungen, wirklich Neues einzuführen. Und ich habe den Eindruck, dass es bei Politiker*innen oft noch kein ausreichendes Bewusstsein dafür gibt, welche Folgen das für die Gesellschaft mit sich bringen kann. Beispiel: KI-Überwachung. Es gab schon einige Versuche im öffentlichen Raum, die gezeigt haben, dass die Technik hinten und vorne nicht funktioniert. Nichtsdestotrotz gibt es dafür einfach schon einen Markt – und der kommt mit den entsprechenden Lobbyist*innen, die der Politik vermitteln, dass KI-gestützte Kameras soziale Probleme lösen und zu sicheren Städten führen.

Wäre das ein Thema, dem sich die GI aus deiner Sicht als Nächstes widmen sollte?

Ich fände es spannend, die Frage nach der Verantwortung von Informatiker*innen in den Fokus zu nehmen. Was gerade auf uns zukommt, ist eine ganz neue Form von Überwachung, die sich sehr weitreichend auf unsere Privatsphäre auswirken wird. Man kann sich dafür oder dagegen entscheiden, solche Instrumente mitzuentwickeln oder zu verkaufen. Ich würde persönlich sehr stark dafür plädieren, solche Tools gar nicht erst zu bauen: weder für das eigene Land noch als Export in weniger demokratische Gegenden, in denen diese Software sehr große Gefahren für unterdrückte Gruppen mit sich bringen kann.

Matthias Marx

ist Junior-Fellow der GI, Sicherheitsforscher und Sprecher des Chaos Computer Clubs (CCC). Er beschäftigt sich mit digitaler Überwachung und der Aufdeckung von Datenlecks. Dabei tauchte er in ein Fake-Shop-Netzwerk ein, analysierte Biometriegeräte des US-Militärs, betreibt Server für den Anonymisierungsdienst Tor und war als Sachverständiger im Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses zu Gast.


Cybersicherheit braucht einen Rundumschlag

Ende Juli 2026 bricht ein KI-Modell von OpenAI aus seiner Testumgebung aus und hackt das Unternehmen Hugging Face. Im selben Monat setzt ein mutmaßlich iranischer Cyberangriff ein britisches Kraftwerk für vier Tage außer Betrieb. Im August trifft ein Hackerangriff das Berliner Landesnetz. Wohngeldzahlungen stehen auf der Kippe und das Online-Portal für Briefwahlunterlagen fällt aus. Zwei Wochen dauert es, bis die Systeme wieder online sind. Der Trend ist eindeutig. Cyberangriffe, staatlich gesteuert oder kriminell motiviert, nehmen zu und KI verschärft die Lage. Mit Blick auf die aktuelle Lage rückt das Politikteam der GI in den Fokus, was aus Sicht der Fachgesellschaft jetzt gebraucht wird.

Text: Eva Mattes & Marieke Petersen

Die Folgen der steigenden Cyberbedrohungslage treffen uns alle, von individuellem Datenverlust über wirtschaftliche Schäden bis zum Ausfall kritischer Infrastruktur. Cybersicherheit ist längst mehr als Prävention und Reaktion. Sie ist Grundlage für gesellschaftliche Stabilität, wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und das Vertrauen der Menschen in Technologie. Angesichts der Komplexität der Angriffsvektoren braucht es einen gesamtgesellschaftlichen Kraftakt, um das Cybersicherheitsniveau zu erhöhen. Aus Sicht der GI müssen drei zentrale Weichen gestellt werden:

1. Die Politik muss sichere Rahmenbedingungen schaffen: Schwachstellen in IT-Systemen müssen so schnell wie möglich gefunden und geschlossen werden, damit sie nicht ausgenutzt werden können. Hierfür müssen die verpflichtende Registrierung kritischer Organisationen nach NIS-2 sowie die verpflichtende Meldung von Schwachstellen unter dem Cyber Resilience Act konsequent umgesetzt werden. Zudem sollten gebündelte Meldemöglichkeiten für Sicherheitsvorfälle unter verschiedenen Rechtsakten geschaffen werden. Ethisches Melden von Schwachstellen darf nicht länger kriminalisiert und der Schutz unserer Daten nicht aufgeweicht werden.

2. Unternehmen und Organisationen müssen aktiv und vorausschauend handeln: Sicherheitslücken entstehen oft bereits bei der Entwicklung. Sicherheit darf nicht als nachträgliche Ergänzung betrachtet werden, sondern muss von Beginn an integraler Bestandteil des Entwicklungsprozesses sein (Security by Design). Für Mitarbeitende braucht es regelmäßige Sensibilisierung und Cybersicherheitsübungen, damit jede und jeder weiß, was im Notfall zu tun ist. In kritischer Infrastruktur sollte, wo möglich, formale Verifikation eingesetzt werden, um Systeme nachweislich abzusichern.

3. Cybersicherheit beginnt bei jeder und jedem von uns: Router, Wearables und andere vernetzte Endgeräte sammeln immer mehr Daten und vergrößern damit die Angriffsfläche. Hinzu kommen immer realistischere KI-gesteuerte Phishing-Mails und Fake-Anrufe. Es braucht mehr Aufklärung und Selbstbefähigung über alle Altersgruppen hinweg, damit Verbraucher*innen IT-Sicherheitsmaßnahmen in ihren Alltag integrieren. Dazu gehören Zwei-Faktor-Authentifizierung, das regelmäßige Einspielen von Updates und ein selbstbestimmter Umgang mit dem Schutz der eigenen Daten.

Die Stimme der Informatik: Wie sich die GI für mehr Cybersicherheit einsetzt

Router sind Ziel von Cyberkriminalität und staatlich gesteuerten Cyberangriffen. Der neue GI Policy Brief zeigt, wie Deutschland seine Souveränität bei kritischer Netzwerktechnik sichern kann.

Zum Policy Brief

In einem Whitepaper zur Reform des Computerstrafrechts fordert die GI neben den notwendigen Gesetzesänderungen vor allem einen besseren Umgang mit ehrenamtlichen Sicherheitsforschenden.

Zum White Paper

Die GI hat auch zum Referentenentwurf des Bundesministeriums des Innern (BMI) für ein Gesetz zur Stärkung der Cybersicherheit Stellung genommen. Sie begrüßt das Ziel, Deutschlands Fähigkeiten zur Abwehr von Cyberangriffen auszubauen, warnt jedoch vor den technischen und grundrechtlichen Risiken geplanter aktiver Eingriffsbefugnisse für Sicherheitsbehörden in IT-Systeme und Netzwerkinfrastrukturen.

Zur Stellungnahme