Wissenschaft und Forschung geben den Ton an.
Wo, wenn nicht in der Wissenschaft, gilt es, die bestmögliche Zusammenarbeit zu ermöglichen? Möglichst offen, interdisziplinär, fair – und möglichst FAIR. Hier kommt der Informatik eine besondere Rolle zu – und somit auch der GI. Dazu gehört auch, alle Stationen der akademischen Laufbahn genau in den Blick zu nehmen.
„Gar nicht mal so wenig, oder?“
Marc Ohm ist Sprecher des Beirats Junge Wissenschaft innerhalb der GI. Mit uns hat er über sein Engagement, die besonderen Herausforderungen von Nachwuchsforschenden und die Pläne für die Zukunft gesprochen.
Eng verwoben: Informatik und Wissenschaft
Das letzte Jahr brachte wieder viele Wissenschaftler*innen vor Ort zusammen, um sich über ihre Forschungs auszutauschen:
Das dreitägige Zukunftsforum Kunststoffkreislauf stellte sich den Fragen: Wie lassen sich Kunststoffe künftig effizienter recyceln – und welche Rolle kann KI dabei spielen? Die GI sowie die DECHEMA e.V. organisierten und begleiteten das Zukunftsforum.
Research Software Engineering im Fokus
Drei neue Projekte der Gesellschaft für Informatik bündeln ihre Kräfte in der Arbeitsgruppe RSE. Unter der Leitung von Julian Dehne entsteht dabei ein starkes Fundament: vom Referenzcurriculum für künftige Expert*innen über die Entwicklung einer Institution für Forschungssoftware bis hin zur Auszeichnung exzellenter Projekte mit dem neuen RSE-Award. Ziel ist es, Forschungssoftware sichtbar, nachhaltig und zukunftsfähig zu machen.
GI-Beiräte der Hochschulen
Die Gesellschaft für Informatik wird von Hochschulen durch zwei Beiräte unterstützt: Der GIBH ist der Beirat der Professor*innen an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften und berät die GI in Fragen von Forschung, Lehre und Hochschulpolitik. Der GIBU vertritt die Interessen der Forschung und der wissenschaftsorientierten Ausbildung an den Universitäten in der GI.
Mehr zum GIBH: gi.de/gibh
Mehr zum GIBU: gibu.gi.de
Digital GreenTech, the sequel
Schon seit 2020 fördert das BMBF mit der Fördermaßnahme Digital GreenTech die Entwicklung von Technologien, die zur Schonung der natürlichen Ressourcen und zur Verringerung von Umweltbelastungen beitragen. Einige Projekte wurden bereits abgeschlossen – in Interviews stellen sich die noch laufenden Projekte vor. Bei der Digital GreenTech Konferenz 2025 vom 25.–26. November präsentieren sie ihre Forschungsergebnisse.
„Data to the people!“
Von der Kunst über die Feldforschung bis zur Astronomie – es gibt kaum einen Bereich, in dem die Verwaltung von Forschungsdaten und der Einsatz von Forschungssoftware keine Rolle spielen. Allerdings können Gespräche zu diesen Themen recht abstrakt sein. Das Coffee Table Book „New Standards“ des Konsortiums NFDIxCS umfasst daher Interviews mit dreizehn internationalen Expert*innen aus verschiedenen Fachbereichen, die Best Practices im Bereich Forschungsdaten- und Softwaremanagement umsetzen.
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KI-Recycling aufs Ohr
Der Podcast des KI-Hub Kunststoffverpackungen ist komplett! In neun Folgen bietet „leicht verpackt“ Einblicke in den Recycling-Kreislauf von Kunststoff-Verpackungen. Er wird von der GI umgesetzt und folgt dem sprechenden Joghurtbecher Yogi der aus erster Hand von seinen Abenteuern im Wertstoff-Kreislauf berichtet.
„Gar nicht mal so wenig, oder?“
Marc Ohm ist Sprecher des Beirats Junge Wissenschaft innerhalb der GI. Mit uns hat er über sein Engagement, die besonderen Herausforderungen von Nachwuchsforschenden und die Pläne für die Zukunft gesprochen.
Interview: Alexandra Resch
Wie kam es zur Gründung des Beirats „Junge Wissenschaft“?
Marc Ohm: Unser Beirat blickt auf eine ausgedehnte Historie zurück: Er wurde bereits lange vor meinem Eintritt in die GI oder in den Beirat selbst gegründet und in seiner heutigen Form im Jahr 2015 von Patrick Diehl und Kerstin Lenk wiederbelebt. Ursprünglich irgendwas mit „Mittelbau“ und später als „Beirat des wissenschaftlichen Nachwuchses (WiN)“ bekannt, trägt er seit 2023 den Namen „Junge Wissenschaft“ (JuWi). Ich selbst engagiere mich seit Ende 2022 aktiv im Beirat und habe Anfang 2025 die Sprecherrolle von Tobias Huber übernommen.
Haben sich die Diskussionen seit der Gründung verändert oder gibt es Dauerbrenner-Themen, die ihr immer noch besprecht oder besprechen müsst?
Ein zentrales und immer wieder aktuelles Thema unserer Arbeit sind die Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft. Die Aspekte, mit denen wir immer wieder konfrontiert sind, sind die Mehrfachbelastung, also Lehren, Forschen, Qualifizieren – am liebsten alles exzellent und gleichzeitig, sowie die schwer absehbaren Karriereperspektiven, die sich beispielsweise aus befristeten Stellen ergeben.
Wie kann man bei euch mitmachen?
Der Einstieg in unseren Beirat ist ganz einfach und niederschwellig: Am besten mal auf unserem Discord-Server vorbeischauen und einfach mitreden. Wer sich stärker einbringen möchte, kann uns gern eine Nachricht an juwi@gi.de schreiben, dann schicken wir direkt eine Einladung zu unserem nächsten regelmäßigen Online-Meeting. Den Grad des Engagements bestimmt dabei jede und jeder selbst: Das reicht vom Zuhören und Meinungsäußern bis hin zu Aufgaben wie die Moderation des Discord-Servers oder sogar die Organisation eigener Workshops. Mir persönlich macht genau das am meisten Spaß: der Austausch mit anderen Wissenschaftler*innen, das Vernetzen und die Möglichkeit, über den eigenen Tellerrand zu blicken.
Welche Schwerpunkte wollt ihr im kommenden Jahr setzen? Und wie bringt ihr euch in der GI ein?
Im kommenden Jahr liegt unser Hauptaugenmerk auf dem Wachstum durch gezielte Mitgliedergewinnung. Wir möchten unsere Sichtbarkeit erhöhen, indem wir Gutes tun und aktiv darüber kommunizieren. Gleichzeitig ist es uns wichtig, unsere Stimme in der GI einzubringen, sowohl im Präsidium als auch in weiteren Gremien. Dabei stehen wir als Ansprechpersonen für Sorgen, Wünsche und Ideen stets zur Verfügung. Konkret planen wir für dieses Jahr einen deutschlandweiten Vergleich von Promotionsordnungen und die Durchführung von Graduierten-Workshops zur Vernetzung von Nachwuchswissenschaftler*innen.
In der GI engagieren sich Informatiker*innen aus unterschiedlichen Karrierestufen: von Studierenden bis Profs. Wie nutzt ihr dieses Netzwerk?
Wir nutzen bei der GI das gesamte Spektrum unserer Mitglieder, um uns auszutauschen und unsere Themen voranzutreiben. Ich habe beispielsweise aktiv Studierenden geholfen, eine Hochschulgruppe der Jungen GI in Bonn zu gründen. Das ist wichtig, da die Studierenden von heute unsere Promovierenden von morgen sind. Gleichzeitig haben Professorinnen und Professoren für uns eine wichtige Multiplikatorfunktion in den Mittelbau hinein, etwa die GI-Botschafterinnen und -Botschafter. Über sie erreichen wir Teilnehmende für Workshops oder für Umfragen. Auch die Zusammenarbeit mit anderen Fachgruppen wie SIDAR oder dem Fakultätentag Informatik e.V. (FTI) ist essenziell. So können wir themenbezogene Aktivitäten initiieren und unserer Meinung Gehör verschaffen. Letztlich sind alle Karrierestufen – von Promovierenden bis zu Junior/Tenure-Professorinnen und -Professoren – bei uns willkommen und werden durch uns repräsentiert. Gar nicht mal so wenige, oder?
Absolut nicht! Und was muss konkret passieren, um den wissenschaftlichen Mittelbau in Deutschland zu stärken?
Das ist ein Thema, mit dem wir uns intensiv beschäftigt und dazu ein Positionspapier veröffentlicht haben. Um den wissenschaftlichen Mittelbau in Deutschland nachhaltig zu stärken, sind langfristige Finanzierung und unbefristete Stellen für Daueraufgaben unerlässlich. Das bedeutet auch eine angemessene Bezahlung dieser Positionen und längerfristige Verträge. Zudem müssen wir die Rechte von Promovierenden stärken, indem Promotionsregeln klarer gefasst und die Rolle der Betreuenden verbindlich definiert werden. Ganz entscheidend ist es auch, transparente Karriereperspektiven zu schaffen: von frühzeitiger Aufklärung über Karrierewege und der Förderung von Tenure-Track-Modellen bis hin zu effizienteren Berufungsverfahren, die qualitative Merkmale statt bloßer Kennzahlen in den Vordergrund rücken. Nicht zu vergessen ist die Vereinbarkeit von Privatleben und wissenschaftlicher Karriere durch mehr Sicherheit in Familienphasen sowie die dringend notwendige Novellierung des WissZeitVG.

Dr. Marc Ohm
Er ist Akademischer Rat in der Informatik, insbesondere Cybersecurity, an der Universität Bonn sowie Senior Researcher am Fraunhofer FKIE. In der GI engagiert Marc Ohm sich als Sprecher des Beirats Junge Wissenschaft, organisiert in Zusammenarbeit mit der Fachgruppe SIDAR den Graduierten-Workshop SPRING und ist GI-Botschafter der Universität Bonn.
Nachlesen
Ein Beitrag zur Zurfriedenheit des akademischen Mittelbaus ist auch im GI-Magazin .inf erschienen. Hier lesen: Für eine goldene Mitte
Direkt zu den Umfrageergebnissen: link.springer.com/article/10.1007/s00287-025-01587-1
Alles zum SPRING Workshop: spring.fg-sidar.gi.de
Mitmachen oder nachfragen:
Discord-Link: discord.gg/DamybRbvFE
E-Mail-Adresse: juwi@gi.de
Website: juwi.gi.de
LinkedIn: www.linkedin.com/company/gi-beirat-junge-wissenschaft
Research Software Engineering: Mit Lehre, Infrastruktur und Anerkennung zu nachhaltiger Forschungssoftware
Drei neue Projekte der Gesellschaft für Informatik bündeln ihre Kräfte in der Arbeitsgruppe RSE. Unter der Leitung von Julian Dehne entsteht dabei ein starkes Fundament: vom Referenzcurriculum für künftige Expert*innen über die Entwicklung einer Institution für Forschungssoftware bis hin zur Auszeichnung exzellenter Projekte mit dem neuen RSE-Award. Ziel ist es, Forschungssoftware sichtbar, nachhaltig und zukunftsfähig zu machen.
Text: Julian Dehne
RSE Master Curriculum
Im Rahmen der laufenden Arbeiten zum Aufbau eines Research Software Engineering (RSE) Mastercurriculums wurden im Berichtszeitraum mehrere Schritte umgesetzt. Ziel ist es, die wachsende Nachfrage nach RSE-Qualifikationen an Universitäten und Forschungseinrichtungen durch neue Lehrmodule systematisch zu adressieren.
Workshops
Zur inhaltlichen Ausgestaltung des Curriculums fanden bislang mehrere community-getriebene Online-Workshops statt. In diesen Workshops wurden zentrale Eckpunkte erarbeitet:
- Pädagogische Entwicklung: Definition relevanter RSE-Kompetenzen
- Vorschläge für Studienablaufpläne: Kurssequenzen und neue Kurse
- Herausstellungsmerkmale und Überschneidungen: Herausarbeitung RSE-spezifischer Perspektiven im Vergleich zu bestehenden Angeboten in Software Engineering, Data Science und Fachwissenschaften[1]
Die Ergebnisse dienen als Grundlage für die Entwicklung exemplarischer Module, die sowohl neue Inhalte einbringen als auch Anknüpfungspunkte zu bereits bestehenden Lehrveranstaltungen aufzeigen.
Ergebnisse und Ausblick
Die erarbeiteten Module sind so konzipiert, dass sie Universitäten als Orientierung für den systematischen Aufbau von RSE-Kompetenzen dienen können. Wo spezialisierte Lehrende nicht zur Verfügung stehen, wurden alternative Lehrangebote identifiziert.
Die bisherigen Arbeiten fließen direkt in den Aufbau eines umfassenden und inklusiven Mastercurriculums ein. Das Projekt ist im RSE Masters Curriculum GitHub Repository dokumentiert: github.com/the-teachingRSE-project/RSE-Masters/tree/tschira-funding.
FutuRSI – Konzeption einer deutschen Forschungssoftware-Institution
Forschungssoftware ist heute ein zentrales Element wissenschaftlicher Arbeit – von Natur- bis Geisteswissenschaften. Sie wird jedoch oft von Personen ohne formale Softwareausbildung entwickelt, nach Projektende nicht mehr gepflegt und kaum als wissenschaftliche Leistung anerkannt. Das führt zu Problemen bei Reproduzierbarkeit, Nachhaltigkeit und Innovationsgeschwindigkeit.
Während in Großbritannien[2] oder den Niederlanden[3] bereits nationale Strukturen etabliert sind, fehlt in Deutschland bislang eine koordinierte Strategie. Förderinitiativen konzentrierten sich vor allem auf Forschungsdaten (z. B. NFDI), nicht jedoch auf Software[4].
Hier setzt FutuRSI an: Das Projekt entwickelt eine Strategie und einen Implementierungsplan für eine deutsche Forschungssoftware-Institution. Dieses soll eine koordinierende Rolle einnehmen und regionale bzw. fachliche Kompetenzzentren und RSE-Gruppen vernetzen. Es adressiert systemische Defizite durch:
- Qualitätssicherung & Dienste: Unterstützung bei Lizenzierung, Publikation, nachhaltiger Wartung.
- Ausbildung & Karrierewege: Schulungen, Workshops, Fellowships, Stärkung der Research Software Engineers (RSEs).
- Strukturen & Sichtbarkeit: Etablierung & Vernetzung stabiler RSE-Teams, Anerkennung von Software als Forschungsleistung.
- Community & Politikberatung: Integration bestehender Initiativen, Austausch über Disziplinen hinweg, Begleitforschung.
Die Vision von FutuRSI ist ein nachhaltiges, vernetztes und anerkanntes Forschungssoftware-Ökosystem in Deutschland. Durch die Bündelung von Expertise und Ressourcen soll ein Kulturwandel entstehen: weg von punktueller Projektförderung, hin zu langfristiger Infrastruktur, die Innovation, Reproduzierbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit stärkt.
Mit dem geplanten RSE Award bekommt exzellente Forschungssoftware mehr Aufmerksamkeit
Moderne Forschung basiert zunehmend auf softwaregestützten Methoden, doch deren Reproduzierbarkeit und Nachhaltigkeit sind oft unzureichend. Um die Bedeutung qualitativ hochwertiger Forschungssoftware zu betonen, initiieren die Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) und die de-RSE e.V. – Gesellschaft für Forschungssoftware (de-RSE) eine Auszeichnung in mehreren Kategorien. Ziel ist es, Best Practices sichtbar zu machen, Awareness zu schaffen und Anreize für exzellente Softwareentwicklung in der Wissenschaft zu bieten. Insbesondere junge Forschende sollen ermutigt werden, Softwarekompetenz als zentrale wissenschaftliche Fähigkeit zu begreifen. Begleitende Formate wie Workshops und Veranstaltungen fördern den Austausch und die Community-Bildung über Disziplinen hinweg. Angesprochen sind forschungsnahe Softwareentwickler*innen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen sowie Fachgesellschaften.
[1] Dehne, J., Thiele, J. P., Schöning-Stierand, K., Goth, F., Linxweiler, J., von Waldow, H., Lamprecht, A.-L. (2025): Comparing Research Software Engineering and Data Science Competences. In: Bernoth, J. (Ed.): Proceedings of the INFORMATIK 2025, Workshop Research Data and Software Competences. Potsdam: Gesellschaft für Informatik e.V.
[2] Software Sustainability Institute (SSI). (o. J.). Abgerufen 21. August 2025, von www.software.ac.uk
[3] eScience Center (2025) . Abgerufen 21. August 2025, von www.esciencecenter.nl
[4] Streicher, J., Schütz, M., Blümel, C., & Schniedermann, A. (2025). Open Research Tools: Stand und Herausforderungen im Spannungsfeld von Forschungssoftware, Offenheit und digitaler Infrastruktur. zenodo.org/records/15771943
Hier geht's ins Detail:
Weitere Informationen zur Initiative FutuRSI gibt es auf der Website: www.futursi.de
Mehr über die Fachgruppe der GI und die Gesellschaft für Forschungssoftware (de-RSE e.V.) erfahren Sie hier: fg-rse.gi.de
