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Informatik
und Bildung

Mit Bildung fängt alles an.

Wie sichern wir einen verantwortungsvollen Umgang mit KI? Wie stellen wir die Weichen für eine digitale Zukunft, die alle mitnimmt? Die Antworten auf all diese Fragen finden sich nicht nur aber zu einem großen Teil in den Schulen. Deswegen macht sich die GI stark für eine umfassende informatische Bildung. Überall und für alle.

„Nach den Standards ist vor den Standards“

Lutz Hellmig hat die Erstellung der neuen GI-Bildungsstandards für die Sekundarstufe I koordiniert, die Anfang 2025 erschienen sind: ein Baustein für erfolgreichen Informatikunterricht und ein Orientierungspunkt für die Lehrpläne. Im Interview erzählt er, was neu und was bewährt ist und, welche Bausteine es sonst noch benötigt.

Zum Interview

Bildungsprojekte, an denen die GI beteiligt ist:

Der Climate Data Entrepreneurial Club bringt jungen Menschen die Arbeit mit Satellitendaten näher: 
cdec.io

Werde Informatiklehrerin! entwickelt Lösungen, um den Einstieg ins Informatiklehramt zu erleichtern: 
informatiklehrerin.gi.de

Der Informatik-Monitor schafft einen aktuellen Überblick zum Stand der informatischen Bildung in Deutschland:
informatik-monitor.de 

Die BYTE CHALLENGE bietet gamifiziertes Lernen und vielseitige Kurse für alle Schulformen: 
byte-challenge.de

ComeThinkAgain entwickelt ein gemeinsames europäisches und sektorenübergreifendes Ausbildungs- und Zertifizierungssystem für die Kompetenzen des 21. Jahrhunderts: 
comethinkagain.eu

Die Bundesweiten Informatikwettbewerbe haben zum Ziel, bei jungen Menschen das Interesse an Informatik und am Programmieren zu wecken. Mehr erfahren
bwinf.de 

BYTE Challenge – Digitale Bildung für alle

Die BYTE Challenge ist eine digitale Lernplattform, die Schüler*innen niedrigschwellig für Informatik und digitale Kompetenzen begeistert. 2025 lag der Fokus auf inhaltlicher Weiterentwicklung, technischer Innovation und Community-Building. Die Highlights hat das Team zusammengetragen.

Zum Beitrag

Klimawandel im Blick: Lernvideo des Climate Data Entrepreneurial Club

Hier treffen sich die Expert*innen

Der GI-Fachbereich Informatik und Ausbildung / Didaktik der Informatik (IAD) vereint eine Vielzahl von Fachgruppen und -leuten, die sich damit befassen, wie man informatische Kompetenzen am besten in die Breite tragen kann:
fb-iad.gi.de

Umfrage zu Informatik-Kompetenzen

2.500 Bundesbürger*innen sowie 1.500 Eltern von Kindern an weiterführenden Schulen hat die Allianz für informatische Bildung um ihre Meinung gefragt: Wie wichtig sind Digital- und Informatik-Fähigkeiten, um an der Gesellschaft teilzuhaben? Und ab welchem Alter sollten diese Kompetenzen gelehrt werden?

Alle Ergebnisse auf der Website der Allianz

 

KI für Lehrkräfte

In den Arbeitskreisen der GI wird viel diskutiert und tief in Themen eingestiegen. Nicht selten entstehen daraus auch konkrete Handlungsempfehlung, die die Theorie in die Praxis bringen. So geschehen etwa mit dem Fachbuch „Künstliche Intelligenz für Lehrkräfte”, das der Arbeitskreis „KI in Schulen" (KIS) herausgegeben hat. 

Mehr über das Buch auf der Website des Arbeitskreises

 

Jugend forscht: Sonderpreis der GI

Leonie Weiß hat sich der Frage gewidmet, wie sich Baustellenampeln besser steuern lassen. Sie entwickelte ein System, das auf einer selbst trainierten Objekterkennungs-KI basiert, die mithilfe einer Kamera den Verkehrsfluss in Echtzeit erfasst. Es identifiziert zuverlässig verschiedene Verkehrsteilnehmende wie Autos, Fahrräder oder Fußgänger*innen – auch bei eingeschränkten Sichtverhältnissen. Eine Leistung für die sie mit dem Sonderpreis der GI im Bundeswettbewerb „Jugend forscht” ausgezeichnet wurde.

Mehr dazu in unserer Rubrik Aktuelles 

„Nach den Standards ist vor den Standards”

Lutz Hellmig hat die Erstellung der neuen GI-Bildungsstandards für die Sekundarstufe I koordiniert, die Anfang 2025 erschienen sind: ein Baustein für erfolgreichen Informatikunterricht und ein Orientierungspunkt für die Lehrpläne. Im Interview erzählt er, was neu und was bewährt ist und, welche Bausteine es sonst noch benötigt.

Interview: Rika Baack

Herr Hellmig, Sie haben in den vergangenen Jahren die Erstellung der neuen Bildungsstandards koordiniert. Wie ist es dazu gekommen?

Lutz Hellmig: Ich habe auf den fachdidaktischen Gesprächen in Königstein, sogar vor Corona schon, laut darüber nachgedacht, ob es nicht mal Zeit wäre, die Bildungsstandards aus 2008 zu straffen und zu bearbeiten. Wie das so ist: Wer zuerst die Frage stellt, ist derjenige, der die Zügel in die Hand bekommt. Aber warum sollten die Informatikstandards etwas anderes darstellen als Software, die ja auch nie fertig ist, die immer besser werden kann und bei der die erste Version maximal ein Startpunkt ist, von dem aus man sich weiterentwickeln kann?

2008 vs. 2025: Was waren die größten Änderungen?

Zunächst einmal die Seitenzahl des Hefts. Wir haben alles gestrichen, das der Rechtfertigung des Fachs diente. Die Bildungsstandards von 2008 hatten nicht zuletzt zum Ziel, ein Signal für das verbindliche Schulfach Informatik zu setzen – zu dem Zeitpunkt völlig zu Recht. Aber wir haben dann entschieden, dass wir es gar nicht mehr nötig haben, uns zu erklären. Das machen Mathematik und Deutsch ja auch nicht. Und natürlich gab es inhaltliche Änderungen. Der Inhaltsbereich Informatik, Mensch und Gesellschaft hat gerade vor dem Hintergrund der KI noch einen ganz anderen Wert bekommen. Es sind Aspekte hinzugekommen, die 2008 noch nicht so im Bewusstsein waren, wie etwa Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Sind die Bildungsstandards vielleicht bald schon wieder überholt?

Die Standards sind zwar fertig, aber wenn man sie genau liest, könnte man schon wieder an die Arbeit gehen. Wir haben immerhin einen hohen Abstraktionsgrad erreicht, durch den wir die Standards nicht jedes Jahr anpassen müssen. Wir nennen keine Produkte, konkrete Werkzeuge oder Programmiersprachen. Gleichwohl sind die Standards Bestandteil dieser Welt, in der alles neu verhandelt und hinterfragt werden muss. Nach den Standards ist vor den Standards: Ich halte es für notwendig, in größeren Abständen ein Paket von Änderungen zu machen, die man in der Community diskutiert. Unsere Bildungsstandards sind kein Ergebnis, sondern im Unterschied zu Bildungsstandards in anderen Fächern ein kooperativer Prozess. Es ist eine Gemeinschaftsarbeit, die in der Öffentlichkeit stattfindet, und das ist gut für das Ergebnis.

Ist der hohe Abstraktionsgrad nicht ein Nachteil für die Wirksamkeit der Standards?

Ich finde, es ist ein Vorteil, weil die Lehrplan-Kommissionen auch gern Autonomie haben. In den Ländern scheint sich auch eine gewisse Kultur oder Tradition des Informatikunterrichts entwickelt zu haben. Vielleicht ist ja auch die Kultusministerkonferenz irgendwann so weit und setzt die Bildungsstandards der GI auch offiziell in Kraft. Dafür haben unsere Standards ja eine CC-Lizenz …

Wie hat sich der Arbeitskreis für Beteiligung geöffnet?

Das war eigentlich ganz schön, weil die Informatik-Community oder die Didaktik-Community in der Regel sehr streitlustig ist. Aber eben beides, streithaft und lustig. Es geht immer wertschätzend und sehr konstruktiv zur Sache. Wir hatten natürlich Kontroll-Lesegruppen in Königstein bei den Fachdidaktischen Gesprächen zur Schulinformatik, wir haben den Entwicklungsstand bei der Fachtagung INFOS 2023 vorgestellt, eine Umfrage durchgeführt, weitere Fachleute eingebunden. Das war uns wichtig, damit nicht nur dieser 13-köpfige selbsternannte Arbeitskreis etwas erstellt, sondern dass die Standards durch die Community diskutiert und eben auch mitgetragen werden. Bei manchen Punkten sind wir standhaft geblieben und bei vielen Punkten hatten andere Recht und wir haben sie aufgenommen. Irgendwann weiß man gar nicht mehr, von wem nun welche Idee kam.

Haben die neuen Standards noch denselben Anspruch wie damals?

Die Bildungsstandards aus 2008 sind ja für die ganze Welt geschrieben worden. Im Prinzip sind Lehrerinnen und Lehrer, interessierte Eltern und politische Entscheidungstragende zugleich adressiert worden, weil es in den Bundesländern kaum Rahmenpläne oder Lehrpläne gab. Diesmal haben wir uns genau gefragt: „Für wen schreiben wir das?“ Wir sehen die Standards nicht unbedingt als konkrete Orientierung, die Lehrerinnen und Lehrern direkt hilft, Unterricht zu planen und zu gestalten, sondern eher als ein Metadokument. Es soll eine gewisse Einheitlichkeit und Bildungsgerechtigkeit oder zumindest eine Vergleichbarkeit zwischen den Bundesländern fördern, indem auf dessen Grundlage Lehrpläne geschrieben werden.

Funktioniert das?

Martin Hennecke aus dem Arbeitskreis und ich haben uns für vier Bundesländer genau angeschaut, wie viel von den alten und neuen Bildungsstandards in den Rahmenplänen zu erkennen ist. Es ist zu merken, dass die Struktur mit ihren Prozess- und Inhaltsbereichen in sehr vielen Bundesländern angekommen ist, aber nicht überall und auch nicht immer unverändert. Auf Kompetenzebene selbst gibt es doch sehr starke Unterschiede von Bundesland zu Bundesland. Bayern ist zum Beispiel dafür berühmt, die objektorientierte Modellierung der Welt und von Informatiksystemen zu betonen.

Was wünschen Sie sich für die Reichweite der neuen Bildungsstandards?

Erfolgreich sind diese Standards letztendlich nur, wenn sie im Kopf des Schülers ankommen – und auch explizit im Kopf der Schülerin, denn das sind gelegentlich doch zwei Paar Schuhe. Teils ist das ein bisschen wie stille Post. Von den Standards zu den Lehrplänen, von den Lehrplänen zu Lehrerinnen und Lehrern, die dazu ausgebildet sind, die Kinder und Jugendlichen entsprechend dieser Standards zu unterrichten. Man muss etwas demütig sein und die Wirkung dieser Standards nicht überschätzen, solange die Praxis des Informatikunterrichts noch nicht so wirksam beeinflusst wird. Das ist auch ein Signal an die informatikdidaktische Forschung. Ich beobachte, dass man gerne dazu tendiert, in kleinen Projekten zu forschen. Aber wir brauchen eigentlich mehr Forschung für den regulären Unterricht. Für ganz normal stattfindenden Unterricht, der nicht in einem Labor mit Kameras stattfindet, sondern in einer echten Klasse mit allen Schülerinnen und Schülern.

Was braucht es, damit diese stille Post funktioniert?

Natürlich Ressourcen für Lehrkräftebildung. Geld ist das eine, Zeit und Akzeptanz das andere. Wir müssen auch darauf achten, dass lehrplankonform unterrichtet wird und evaluieren, ob ein Lehrplan die erhofften Wirkungen zeigt. Ein Lehrplan kann nicht erfüllt werden, wenn die Lehrkräfte nicht über die fachliche Qualifikation verfügen. Ein Lehrplan muss nicht erfüllt werden, wenn keiner hinschaut. Die Standards sind wirklich nur ein kleiner Baustein für guten Informatikunterricht.

Was kommt als nächstes?

Ich nehme an, dass diese Standards nicht die letzten bleiben. Auch den Bildungsstandards für die Sek II könnte man sich wieder widmen – vielleicht gibt es da auch jemanden, der die Frage stellt.

Lutz Hellmig

Er war fast zwanzig Jahre selbst Diplomlehrer für Informatik, Mathematik und Physik, bevor er in die Forschung und Lehre ging: Lutz Hellmig lehrt am Institut für Informatik der Universität Rostock, an der er auch Senatsmitglied ist. Im GI-Fachausschuss Informatische Bildung in Schulen ist er Mitglied des Sprecherteams und hat federführend im Arbeitskreis zur Überarbeitung der Bildungsstandards gearbeitet.

Die Bildungsstandards für die Sekundarstufe I

In den vergangenen vier Jahren hat der Arbeitskreis des GI-Fachausschusses Informatische Bildung in Schulen die Bildungsstandards aus dem Jahr 2008 grundlegend überarbeitet. In enger Zusammenarbeit mit Expertinnen und Experten aus Schulpraxis und Wissenschaft entstand so die Neufassung, die im März 2025 veröffentlicht wurde.

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Digitale Bildung für alle

Die BYTE Challenge ist eine digitale Lernplattform, die Schüler*innen niedrigschwellig für Informatik und digitale Kompetenzen begeistert. 2025 lag der Fokus auf inhaltlicher Weiterentwicklung, technischer Innovation und Community-Building. Die Highlights hat das Team zusammengetragen.

Text: Iva Jerabkova, Stefan Hildebrandt

Neue Kurse: Recht und Logik verständlich gemacht

Mit Legal Tech entstand in Kooperation mit ltc.legaltech Mannheim e.V. und Maximilian Kroker ein interdisziplinärer Kurs an der Schnittstelle von Recht und Informatik. Teilnehmende setzen das Gelernte praxisnah in einer Programmieraufgabe um.

Der Kurs Boolesche Algebra führt altersgerecht und alltagsnah in logische Operatoren wie UND, ODER und NICHT ein. Entwickelt von Olexandra Dron, richtet er sich an Lernende ohne Vorkenntnisse und fördert logisches Denken.

BYTE Lounge: Austausch im digitalen Raum

In diesem offenen Format diskutieren Bildungsakteur*innen aktuelle Themen wie KI in der Schule, Ethik in der KI-Entwicklung oder Informatik für alle. Die BYTE Lounge ermöglicht Wissensaustausch, Vernetzung und neue Impulse für Bildungsprojekte.

Technik & Plattform: BYTEgrader und BYTE Home

Moritz Merkl entwickelte den BYTEgrader – ein sicheres, automatisiertes System zur Bewertung von Python-Aufgaben mit direktem Feedback und LMS-Anbindung.

BYTE Home, das neue zentrale Dashboard, verbindet Kursübersicht, Lernfortschritt und Gamification. Die Bestenliste zeigt Nicknames und gesammelte Punkte. Diese bilden die Grundlage für ein Belohnungssystem – geplant ist ein Webshop mit kleinen Preisen wie Badges oder USB-Sticks.

Auszeichnung: Finalistin beim EMOTION.award 2025

BYTE wurde als eines von fünf Projekten für den Sonderpreis „Hand in Hand“ nominiert. Die Initiative überzeugte mit ihrem Engagement für Bildungsgerechtigkeit und der Förderung von Mädchen und benachteiligten Jugendlichen.

Ausblick: Große Pläne

Für das zweite Halbjahr 2025 plant BYTE neue Kurse, eine Erweiterung von BYTE Home sowie den Aufbau regionaler Bildungsnetzwerke. Zudem wird ein Kinderschutzkonzept entwickelt – unter anderem im Rahmen einer potenziellen Kooperation mit der Porsche Stiftung.

Neugierig?

Alle weiteren Infos und Angebote gibt’s unter: 
www.byte-challenge.de

Anfragen gerne auch an info@byte-challenge.de!