Die Wirtschaft ist im Wandel.
Gut so.
Von KI bis Klimakrise, von neuer Konkurrenz bis zu alten Mustern: Unternehmen stehen aktuell vor großen Herausforderungen, für die es meist keine einfache Lösung gibt. Innerhalb der GI-Community gibt es unterschiedliche Foren, um sich dazu auszutauschen – und gemeinsam Antworten auf die drängenden Fragen zu entwickeln.
Open Source meets Chipdesign
Digitale Souveränität ist nicht nur eine Frage von Software: Im Projekt OCDCpro wird ein Wettbewerb entwickelt, der Studierende für Open-Source-Chipdesign begeistern – und somit neue Fachkräfte gewinnen soll.
Offener Austausch
Der Wirtschaftsbeirat der Gesellschaft für Informatik ist ein Forum des Austauschs bedeutender Persönlichkeiten aus der IT-Wirtschaft und Sounding Board für den Vorstand und die Geschäftsführung der GI. Die Mitglieder des Beirats fungieren in erster Linie als Impuls- und Ideengeber*innen in der größten Informatik-Community im deutschsprachigen Raum.
Alle Infos gibts hier: wirtschaft.gi.de
Gekommen, um zu bleiben: Was macht die IT attraktiver für Frauen?
Dass Frauen in der IT-Branche oft auf Hindernisse stoßen, ist bekannt. Doch was braucht es, damit sie nicht nur einsteigen, sondern auch langfristig erfolgreich mitgestalten? Dieser Frage widmet sich ein neues Forschungsprojekt der GI, der Hochschule Heilbronn und des Kompetenzzentrums Technik-Diversity-Chancengleichheit e. V.
Auch Code muss cool bleiben
„Der Wasserverbrauch von KI wird derzeit oft noch unterschätzt“, sagt Lena Hoffmann, Senior-Referentin bei der GI und Autorin einer Studie zum Wasserverbrauch durch KI, die die GI im Sommer 2025 veröffentlicht hat. „Wenn wir nicht gegensteuern, drohen neue Nutzungskonflikte – gerade in Regionen, die bereits heute mit Wasserknappheit kämpfen.“ Die Studie nimmt systematisch den Wasserverbrauch von KI-Systemen entlang ihres gesamten Lebenszyklus in den Blick – von der Chipproduktion über den Rechenzentrumsbetrieb bis hin zur Entsorgung der Hardware.
Die vollständige Studie zum Nachlesen
Wo Bildung auf Innovation trifft
Computational Thinking, digitale Kompetenzen und unternehmerisches Geschick – diese Skills soll das Erasmus+-Projekt ComeThinkAgain, an dem sich die GI beteiligt, fördern und vereinen. Ziel der Zusammenarbeit zwischen zehn europäischen Ländern ist, Bildungsmaterialien und Curricula zu erstellen. Dafür ist eine Community of Practice gestartet worden, die Lehrende und innovative Unternehmer*innen zusammenbringt.
Alle Informationen auf der ComeThinkAgain-Website
Für IT, die nachhaltig und konkurrenzfähig ist
„Wenn wir als Gesellschaft Nachhaltigkeit als wichtig empfinden – und davon gehe ich aus – dann darf nachhaltiges Wirtschaften nicht teurer sein als konventionelles“, sagt der Entwickler, CTO und CEO Arne Tarara im Interview mit der GI. Mit der ecoCompute hat er eine Konferenz geschaffen, die nachhaltige digitale Infrastrukturen in den Fokus rückt. Auch in diesem Jahr ist die GI wieder Mitorganisator.
Zum Interview zur Konferenz am 13.–14. November in Berlin
Chipdesign meets Open Source
Digitale Souveränität ist nicht nur eine Frage von Software: Im Projekt OCDCpro wird ein Wettbewerb entwickelt, der Studierende für Open-Source-Chipdesign begeistern soll. So weckt er frühzeitig Begeisterung für ein Berufsfeld, in dem es in Deutschland an Fachkräften fehlt – und dessen Potenzial daher noch längst nicht ausgeschöpft ist.
Um sicherzugehen, dass der Wettbewerb bei der Zielgruppe der Studierenden auch wirklich gut ankommt, bezieht das Projektteam von Anfang an junge Menschen in die Konzeption ein.
Neugierig?
Mehr über das Projekt und den aktuellen Fortschritt der Wettbewerbskonzeption gibts auf der Website:
Gekommen, um zu bleiben: Was macht die IT attraktiver für Frauen?
Dass Frauen in der IT-Branche oft auf Hindernisse stoßen, ist bekannt. Doch was braucht es, damit sie nicht nur einsteigen, sondern auch langfristig erfolgreich mitgestalten? Dieser Frage widmet sich ein neues Forschungsprojekt der Gesellschaft für Informatik, der Hochschule Heilbronn und des Kompetenzzentrums Technik-Diversity-Chancengleichheit e. V.
Text: Johanna T. Wallenborn
Ein politischer Windwechsel in den USA wirft einen langen Schatten auf die weltweiten Bemühungen um Diversität und Inklusion in der Wirtschaft und stellt die Nachhaltigkeit und Krisenfestigkeit infrage. So häufen sich Berichte über Forderungen an europäische Unternehmen, dem von der Trump-Administration propagierten Rückbau von Diversitätsprogrammen Folge zu leisten, bis hin zum freiwilligen Rückzug von Unternehmen wie Microsoft, Zoom oder Meta aus einst prominent beworbenen D&I-Initiativen. Das Engagement für Vielfalt, besonders in der global vernetzten Tech-Branche, steht auf dem Prüfstand.
Das ist alarmierend, insbesondere angesichts der ohnehin hohen Zahl von Frauen, die aus IT-Berufen wieder aussteigen, die internationale Studien belegen. Ein möglicher „Diversity Rollback“ birgt die Gefahr, diese Situation in der Tech-Welt weiter zu verschärfen. Umso wichtiger werden Strategien, die die Diversität in der IT dauerhaft stärken.
Warum wir über Frauen in der IT sprechen müssen
Internationale Studien, wie die vielzitierte „Tech Leaders Study“ des Kapor Centers, belegen eine überproportional hohe Abwanderungsrate. Frauen, so stellen die Forscherinnen Prof. Nicola Marsden und Karen Holtzblatt fest, sind die „größte unterrepräsentierte Gruppe in der Tech-Branche“.
Weltweit liegt der Anteil von Frauen in Technologieberufen im Durchschnitt bei 28 Prozent. Mit rund 32 Prozent liegt Südostasien weltweit an der Spitze. In der EU sind es nur 18 Prozent und in Australien lediglich 15 Prozent. Ein Verlust, der Chancengleichheit untergräbt und auch handfeste ökonomische Nachteile birgt. Wenn Fachkräfte Unternehmen verlassen, verursacht dies erhebliche Kosten für Neubesetzungen. Laut Kapor Center sind es durch Fluktuation allein jährlich bis zu 16 Milliarden US-Dollar.
Weiterhin verhindern die hohe Fluktuation und Unterrepräsentation auch den Aufstieg weiblicher Führungskräfte und den damit verbundenen potenziellen Mehrwert: Diverse Teams bereichern die Arbeit von Unternehmens und sind eher in der Lage, die Bedürfnisse breiter Bevölkerungsgruppen zu adressieren. Homogene Teams wie beispielsweise rein männliche Teams mit ähnlichen Hintergründen laufen Gefahr, die Bedürfnisse unterrepräsentierter Gruppen zu ignorieren. Darüber hinaus zeigen Studien, dass diverse Teams profitablere Produkte entwickeln und von Frauen geführte Unternehmen erfolgreicher wirtschaften.
Mehr als Quoten: Was hält Frauen in der IT?
Auch in Deutschland bleibt die hohe Fluktuationsrate von Frauen in IT-Berufen eine große Herausforderung. Doch verstehen wir wirklich, was Frauen brauchen, um in der Tech-Branche nicht nur Fuß zu fassen, sondern auch langfristig erfolgreich und zufrieden zu sein? Welche Erfahrungen machen Frauen, die bleiben und gestalten, im Vergleich zu denen, die der Branche den Rücken kehren? Wenn wir wirklich etwas ändern wollen, so der Tenor vieler Expert*innen, müssen wir verstärkt die Frage stellen, warum Frauenbleiben.
Doch gerade hier, bei der Suche nach den tieferliegenden Ursachen, offenbart sich eine erhebliche Schwachstelle: Die Datenlage in Deutschland ist nach wie vor unzureichend, um kulturelle und strukturelle Bremsklötze klar zu identifizieren und daraus wirksame Gegenstrategien abzuleiten. Die oft diskutierten und wohlmeinenden Quotenregelungen, wenngleich ein wichtiges politisches Signal, bleiben an der Oberfläche und verkennen die Komplexität der zugrundeliegenden Probleme. Hier setzt das Forschungsprojekt Tech2stay an – mit dem Anspruch, wissenschaftlich fundierte und praxistaugliche Antworten zu liefern.
Es ist kein Zufall, dass Frauen die IT verlassen
Zum Start des Projekts geht es vor allem darum, mehr Wissen zu gewinnen. Mittels quantitativer Erhebungen sollen erstmals belastbare Daten zur Situation in Deutschland gesammelt werden. Parallel führt das Team viele Gespräche mit Frauen, um herauszufinden, was für sie Gründe sind, in der Branche oder im Unternehmen zu bleiben. Das können eine wertschätzende Teamkultur, flexible Arbeitsmodelle oder sichtbare Entwicklungspfade sein. Gleichzeitig gibt es viele Faktoren, die das Berufsfeld unattraktiv für Frauen machen können, zum Beispiel Vorurteile, mangelnde Sichtbarkeit eigener Leistungen oder eine Arbeitswelt, die so wirkt, als wäre sie nur für Männer gemacht. Das Team hat sich zum Ziel gesetzt, genauer zu verstehen, was Karrieren in der Tech-Branche fördern oder eben systematisch behindern kann.
Vom Wissen zum Handeln: Lösungen im Alltag erproben
Auf dieser Datengrundlage aufbauend ist dann der nächste Schritt, das gewonnene Wissen in die Praxis zu bringen. Unter der Leitung von Prof. Nicola Marsden, Forschungsprofessorin für Sozioinformatik der Hochschule Heilbronn, werden Ideen entwickelt und unmittelbar im realen Unternehmensalltag erprobt. Das können beispielsweise neu gedachte Mentoring-Konzepte sein wie Workshops für Teams und Führungskräfte, in denen es darum geht, Vorurteilen gemeinsam auf den Grund zu gehen. Dieser Ansatz verlässt bewusst den akademischen Elfenbeinturm, um im direkten Austausch mit Forschenden, Leistungsträger*innen sowie den zugehörigen Firmen die Unternehmenskultur zu verändern.
Eine IT-Kultur, in der Frauen bleiben und gestalten
Doch das Team von Tech2stay will mehr sein als eine reine Datensammlung oder ein weiteres Forschungsprojekt, dessen Ergebnisse in Fachpublikationen verweilen. Es soll deutlich machen, welche Methoden tatsächlich nachhaltig wirken, um die Arbeitskultur in der IT positiv zu verändern. Diese Einsichten sollen in konkrete, praxisnahe Handlungsempfehlungen für Unternehmen, Hochschulen und für politische Entscheidungsträger*innen münden. Entscheidend für den Erfolg wird dabei der kontinuierliche Wissenschafts-Praxis-Dialog sein. Hier wird sichergestellt, dass die Forschungsergebnisse verstanden, diskutiert und schließlich in der betrieblichen Realität verankert werden. Um die Impulse und Erkenntnisse in die breite (Fach-)Öffentlichkeit zu tragen und den digitalpolitischen Diskurs mitzugestalten, übernimmt die Gesellschaft für Informatik e.V. eine Schlüsselrolle. Als größte Informatik-Fachgesellschaft im deutschsprachigen Raum fungiert sie als zentraler Multiplikator und gestaltet die Wissenschaftskommunikation des Projekts.
Die Vision: eine IT-Branche, in der Frauen nicht nur als dringend benötigte Fachkräfte einsteigen, sondern in der sie langfristig wirken, sich entfalten und die digitale Transformation aktiv mitgestalten können.
Wir sollten uns nicht auf dem Erreichten ausruhen, sondern Initiativen zur Stärkung von Diversität und Inklusion konsequent verteidigen und ausbauen. Angesichts der global vernetzten Tech-Branche kann dies Signalwirkung entfalten, die über nationale Grenzen hinausreicht, und dem drohenden Rückbau, wie er in den USA zu beobachten ist, ein starkes, proaktives europäisches Handeln entgegensetzen.
Eine inklusivere IT-Kultur, die Frauen hält und fördert, stärkt die Innovationskraft, Problemlösungskompetenz und letztlich die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Branche. Hier will Tech2stay einen Beitrag leisten, um die „Leaky Pipeline“ zu schließen und die unverzichtbaren Talente von Frauen für die Zukunftsfähigkeit und Souveränität der Informatik zu sichern. Ein ehrgeiziges Vorhaben, ohne Frage, aber ein entscheidender Schritt.
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